Wir bewegten uns die letzten Tage immer weiter an der Küste entlang Richtung Órgiva. In der letzten Nacht gerieten wir allerdings in ein Unwetter mit Sturmwarnung.

Auf der Fahrt Richtung Motril haben wir mehrere Orte abgegrast um einen Stellplatz für die Nacht zu finden. In Castillo de Banos gab es einfach keinen Platz und in Castell de Ferro war keiner in Strandnähe zu finden.

Der Wind hatte bereits auf der gesamten Fahrt kräftig geweht und in den kleinen Städten Mülltonnen verschoben und Blumenkästen heruntergeblasen. Wir suchten daher eine einigermaßen ruhige Ecke und fanden diese in einer Seitenstraße in Calahonda. In der Nebensaison wirkte der Bezirk mit heruntergelassenen Jalousinen und versperrten Türen wie eine Geisterstadt. Der pfeifende Wind und die herumfliegenden Blätter verstärkten diesen Eindruck.

Da wir nicht wussten ob der Wind sich zu einem Sturm entwickelt, suchten wir im Internet nach Informationen. Es gab tatsächlich eine Unwetterwarnung in unserem Gebiet, bei der LKWs ein Fahrverbot auf Autobahnen haben. Merklich verstärkten sich die Windböen, jedoch stand die Feuerwehr so, das der Wind nicht von der Seite angreifen konnte. Dennoch war die Situation beunruhigend. Ich kletterte also aufs Dach um das Windmesser aufzustellen. Mit dem lässt sich Windrichtung und Windstärke relativ genau ermitteln.

Bisher haben wir Höchstwerte an der Nordsee von Windstärke 5 (36 km/h) gemessen. Hier blies der Wind im Mittel zwischen Windstärke 4 und 5. Einige Böen erreichten jedoch beunruhigende 70 km/h (Windstärke 8-9). Diese ruckartigen Böen ließen selbst unsere sieben Tonnen wackeln.

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Gestern Abend war der noch gerade.

Da unklar war, inwieweit der Wind noch an Geschwindigkeit zunahm, habe ich Wache gehalten, während der Rest der Familie schlafen ging. Nachdem sich die Geschwindigkeit der Böen gegen drei Uhr verringert hatten, habe auch ich mich schlafen gelegt.

Am Morgen bot sich uns ein interessanter Anblick. Müll lag verteilt auf den Straßen, Betonblumenkästen lagen auf dem Gehweg und Mülltonnen waren umgekippt. Selbst die Palmen an den Straßenrändern machten einen schiefen Eindruck.

Eigentlich sollte der Morgen am Strand verbracht werden, jedoch blies der Wind immer noch so heftig, dass die Wellen meterhoch auf den Strand krachten. Der Sand wurde mit einigen Böen durch die Luft gewirbelt, was für Ti und MaE kein Vergnügen war.

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Familienbadewetter am Strand.

Nach dem Frühstück, mit Blick auf die bemitleidenswerte Müllfrau, entschieden wir uns weiterzufahren, denn unsere Freunde in Órgiva sollten weniger Wind haben.

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Richtung Órgiva zeigte uns der Regenbogen den Weg.

Trotz dem mulmigen Gefühl, in einem Sturm relativ machtlos zu sein, war ich in dieser Nacht recht produktiv. Die Beleuchtung des Windmessers wurde durch LEDs ersetzt und dieser Blog endlich eingerichtet – damit hatte dieser Sturm doch etwas gutes.

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