Sieben Tage in der Wildnis bedeutet hier auch zu lernen wie man einen Hirsch zerlegt und dessen Überreste vollständig nutzen kann. Achtung: bebildert!

Die Wildniswoche hatte für mich einen besonderen Interessenschwerpunkt: das Zerlegen eines Hirschs. Zunächst stellten sich aber in der Gruppe ein paar ethische Fragen.

Ist es nötig ein Tier zu töten, oder kann man sich auch von anderen Dingen ernähren?

Die Annahme, lediglich durch Wildkräuter und anderen Pflanzen dauerhaft in der Wildnis überleben zu können ist zweifelhaft.

Der menschliche Körper braucht vor allem in der kalten Jahreszeit Fett, welches im Überfluss durch die Aufnahme von Fleisch zugeführt werden kann. Wildfleisch hat den Vorteil auch roh ohne Bedenken genießbar zDSC_0130u sein. In dem vor uns liegenden Tier stecken neben dem Fleisch auch andere nützliche Dinge, die wir in den nächsten Tagen kennenlernen. Die Frage, ob es also vertretbar ist, ein Tier zu töten, stellt sich in der Wildnis nicht.

Wir begannen das Verabschieden des Junghirschs in einer Runde, in der klar gemacht wurde, dass es einen Sinn hat, ein Tier zu töten, wenn man die Überreste DSC_0143danach vollständig nutzen kann. Da der Hirsch auf freier Wildbahn geschossen wurde und nicht in Gefangenschaft gelebt hatte, hat er all das zu sich genommen, was man als artgerecht bezeichnen könnte. Das Tier wurde vom Jäger bereits aufgebrochen und dessen Innereien herausgenommen. Das Fell abzuziehen sollte unsere Aufgabe sein, denn dieses musste unbeschädigt für die weitere Verwendung sein.

Zunächst wurden die Läufe des Tieres entfernt und danach begonnen das Fell im Halsbereich zu lösen. Dies habDSC_0180en wir zu zweit erledigt, da die Bindehaut sehr zäh ist und viel Kraft angewendet werden muss. Mit dem Boxen auf die Bindehaut wird das Fell schonend vom Muskelfleisch getrennt.

Es ist erstaunlich wie wenig man das Messer nutzen muss um Sehnen und Muskeln zu trennen. Nach etwa einer Stunde sind wir an die Hüfte des Hirschs angelangt und haben Probleme das Fell vom Muskel zu trennen. Der Kraftaufwand ist enorm. Wäre das Tier erst wenige Stunden alt, dann würde es wesentlich leichter gehen. Durch vorsichtige Schnitte, um keine Schnittmarken in die Haut zu bringen, zerteilen wir die Muskeln um das Fell weiterDSC_0235 abziehen zu können. Nach einer weiteren halben Stunde ist es vollbracht: das Fell ist abgezogen und der Hirsch nackt.

Der nächste Schritt ist das Lösen der Einzelteile des verbliebenen Tieres. Hierzu fühlt man bspw. den Verlauf des Oberschenkels ab und trennt diesen durch wenige Schnitte vom Rest des Körpers. Es ist kein Kraftaufwand nötig, kein Schlachten, eher ein gefühlvolles Zerlegen. Man muss keine Ausbildung gemacht haben, um dies zu können, nur etwas Gefühl mitbringen um DSC_0273die Teile zu lösen.

Nun, da die Nahrungsbestandteile des Tieres verwertet werden können, stellte sich die Frage was kann man noch nutzen?

Das Fell des Tieres habe ich auf einen entrindeten Baumstamm gelegt um die verbliebenden Fleischreste abzuschaben. Hierzu nutzte ich eine Schab- oder Ziehklinge mit deren Hilfe sich Bindehaut und FleischresteDSC_0749 herunterschaben ließen. Der Druck auf die Haut durfte nicht zu groß werden, damit das Fell auf der Unterseite erhalten bleibt. Diese Arbeit dauerte etwa eine Stunde und ist ebenfalls abhängig vom Todeszeitpunkt. Um das fertige Fell, die sog. Rohhaut trocknen zu lassen muss diese in einen Rahmen eingespannt werden. Dieser Rahmen kann aus einfachen Latten bestehen, die ein Viereck bilden, das groß genug ist um die ausgebreitete Rohhaut aufzunehmen.DSC_0798 Mit einer Ahle wurden Löcher in die Rohhaut getrieben, welche dann mit Schnüren unterschiedlicher Länge am Rahmen befestigt wurde. Locker eingespannt haben wir den Rahmen dann im Halbschatten aufgestellt. Nach etwa zwei Tagen war die Rohhaut trocken.

Weitere Bestandteile des Hirsch haben wir in der Wildniswoche genutzt. HieDSC_0693rzu zählen bspw. die Beinknochen aus den abgetrennten Läufen des Hirschs. Aus diesen kann man Pfeilspitzen oder Angelhaken bauen. Die Rippenknochen ergeben nach der Bearbeitung bspw. einen Löffel. Das Geweih des Hirschs kann als Werkzeug gearbeitet werden oder als Messerschaft dienen. Die Hufe werden als Verzierungen oder Schmuck getragen. So hat jedes Teil dieses Tieres seine Verwendung gefunden.

DSC_0331Besonders hervorzuheben ist allerdings das schmackhafte Wildfleisch, welches gekocht als Rippchen oder Goulasch aber auch über dem Feuer gegrillt etwas Besonderes ist.

Die Erfahrung ein Tier zu zerlegen war für mich wichtig, insbesondere der gefühlvolle Umgang beim Herauslösen der Teile. Das Wildfleisch war eine willkommene Ergänzung auf dem Teller.

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