Der Höhepunkt für unsere Kinder während der sieben Tage in der Wildnis war eindeutig der Bau des eigenen Bogens.

Schon im letzten Jahr, als wir in Haithabu, dem Wikingerdorf übernachtet haben, konnten wir die selbstgebauten Bögen bestaunen.

Und auch das Pfeil- und Bogenbuch feuerte die Begeisterung an. Jedoch, um einen richtigen Bogen zu bauen braucht es Zeit – mindestens ein Jahr, denn der Bogen muss erst im Wald geschlagen werden und dann, gefühlt viel zu lange, trocknen.

DSC_0247Hier, bei der Wildniswoche gab es die Gelegenheit bei dem Bogenbauer von Baum und Bogen einen Bogen in wenigen Tagen zu bauen. Die Bögen wurden bereits als Rohlinge in Rattan für die Kinder und in Esche für die Erwachsenen in der richtigen Länge mitgebracht. Lo und Ti haben die Gelegenheit genutzt sich Pfeile und Bögen zu bauen.

PFEILBAU

Bevor es an den Bogen ging, wurden zunächst DSC_0246die Pfeile hergestellt.

Mit Sägen wurden die Pfeilschäfte auf die individuelle Länge gebracht. Eine Seite wurde für den Nocken angespitzt, welche, wie auch die Federn angeklebt wurden.

Bei der Wahl der Farbe der Nocken, der Federn und der Pfeilspitzen kannte die Kreativität fast keine Grenzen. Die Annahme, dass Pfeile mit schwarzen Spitzen besser treffen als mit goldenen konnte erst nach der Fertigstellung des Bogens widerlegt werden.

Am Ende hatten Lo und Ti jeder vier Pfeile die darauf warteten geschossen zu werden.

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Das Befiederungsgerät hält die Pfeilschäfte gerade und im richtigen Winkel, damit die Federn gleichmäßig angeklebt werden können.

BOGENBAU

DSC_0320Während die Herstellung der Pfeile für Lo und Ti kein Problem darstellte, war die Bearbeitung des Bogens für beide eine echte Herausforderung.

Die Rattan-Rohlinge sind runde gleichmäßig gewachsene harte Stangen, die mithilfe einer Ziehklinge in Form gebracht werden mussten. Bei dieser mühsamen und langwierigen Arbeit muss immer wieder kontrolliert werden, ob der Bogenrücken gleichmäßig und gerade verläuft.

Waren beide Rücken fertig, ging es an den Griff, der ebenfalls mit Ziehklinge und Raspel bearbeitet wurde. Diese Arbeit nahm fast zwei Tage in Anspruch – am Ende wurde der Bogen geschliffen und für die Haltbarkeit geölt. Der schwierigste Teil, das Feilen der Einkerbung für die Bogensehne im richtigen Winkel, folgte. Mit eingespannter Sehne und stolzem Blick ging es dann an den Abschuss fiktiver Gegner.

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Der Bogen ist fertig. Feuer frei!

PFEILE AUS DER WILDNIS
DSC_0521Gleichzeitig hatten wir die Möglichkeit, ganz ohne neuzeitliche Hilfsmittel, Pfeile zu bauen.

Aus einem halben Jahr alten, getrockneten Haseltrieben lassen sich, wildnisgerecht, Pfeile herstellen. Vogelfedern zur Befiederung eignen sich vor allem, wenn diese hart und ohne Flaum sind, denn dann lassen diese sich auch umwickeln ohne die Form zu verlieren.

DSC_0523Zum Ankleben der Federn diente erhitztes Kiefernharz und für die Umwicklung der Federn nutzten wir die Fasern der Sehne des zerlegten Hirschs.

Die Nocke ist nicht, wie die neuzeitlichen  Pfeile, aus Plastik sondern einfach in den Schaft des Pfeiles eingeritzt.

Die Spitze des Pfeils wurde geschnitzt und im Feuer gehärtet. Für das bessere Jagdergebnis eignet sich allerdings eine Pfeilspitze aus Knochen – hierzu konnte einer der Läufe des Hirschs genutzt werden.

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Hirschknochen des zerlegten Hirschs dienen zur Herstellung von stabilen Pfeilspitzen.

Die Zeit war leider zu kurz um noch einen Bogen aus der Natur herzustellen. Hier hätte ein Haselrohling den Bogen gestellt und der Darm eines Tieres oder Brennessefasern zur Bogensehne verarbeitet werden können.

Auch wenn der Pfeil- und Bogenbau unter Anleitung zeitweise für unsere kreativen, freidenkenden Kinder anstrengend war, hat es sich gelohnt. Der Stolz einen Bogen geschaffen zu haben ist nicht von der Hand zu weisen. Hinzu kommt, das wir nun auf unserer weiteren Reise von zwei exzellenten Bogenschützen vor Orks und anderem Getier geschützt sind.

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