Heute habe ich fachgerecht und zügig das Innenleben unserer Feuerwehr ausgebaut.

Nein, eigentlich war es weder fachgerecht noch von kurzer Dauer. Ich hatte mit zwei Stunden Ausbau gerechnet, jedoch liefen dann doch sechs Musikalben durch.

Während ich mittags noch frohen Mutes eine Multiplexplatte und 10qm Fußboden besorgt hatte, verflog das Frohe alsbald (Mut hatte ich aber weiterhin).

Denn als ich begann das hintere große Bett auszubauen und nicht an die Schrauben kam, die es in den Trägern des Autos verankern, musste ich mich über mich selbst wundern. Ich hatte diese teilweise verkleidet, denn in unserer Umbau-Odysee 2014 war vieles nach und nach eingebaut worden. Und so verdeckte das eine das andere usw.

Das Zerlegen des Innenlebens war ein Sinnbild für eine nicht enden wollende Kausalkette.

Um an die Schrauben des Betts zu lösen musste ich auch an die Hinterseite der Zwischenwand. Diese war von der Bank auf der anderen Seite verdeckt. Um diese Bank zu entfernen musste ich an die Schrauben unter der Bank. Diese waren von der Deckplatte verdeckt, welche ich wiederum nur von unten entfernen konnte. An der anderen Seite der Bank wurde die Deckplatte allerdings von Schrauben gehalten, die von dem Steckdosenfach verdeckt wurden. Dieses Fach konnte ich allerdings erst nach Ausbau der Klappbank entfernen. Für den Ausbau der Klappbank musste ich Polster, Sitzplatten, Gurte und die Seitenwände des Kastens lösen.

Das allein hätte schon gereicht, wenn mir da nicht noch die, aus der Not verwendeten, Schrauben einen Strich durch die zeitliche Rechnung gemacht hätten. Ich habe heute vermutlich alle Größen von Phillips-, Schlitz- und Torx-Bits verwenden müssen und das Bohrfutter häufiger geöffnet und geschlossen als seinem gesamten bisherigen 8-jährigen Leben.

Ich weiß nicht, was mich beim Erstausbau getrieben hat, 15 unterschiedliche Schraubensorten zu verwenden. Aber vermutlich kam mir vor fast zwei Jahren die irrsinnige Idee mir selbst einen Streich zu spielen…

Jedoch, zwischen all den Schrauben, kamen viele Erinnerungen an den damaligen Einbau hoch. Manches ließ sich heute innerhalb von einer halben Stunde ausbauen, obwohl ich damals Tage damit zugebracht habe um es einzubauen.

Allein für das Gestell der Klappbank habe ich drei Tage geschweißt und die Bezüge in drei Tagen per Hand genäht. Doch überhall hat der Zahn der Zeit genagt – die Nähte sind aufgerissen, Holz hat überall schmutzige Stellen, der Kautschukboden trägt überall dort Rost wo Metall auflag. Auch manche Schrauben ließen sich nicht mehr lösen oder brachen ab, weil sie die Feuchtigkeit im Auto angegriffen hat. Somit musste auch Winkelschleifer und Brecheisen zum Einsatz kommen um weitermachen zu können.

Ich habe mich also von der Sitzbank zur Klappbank und von da über den Ofen, Spüle und die Klamottenschränke wieder nach hinten gearbeitet. Als alles raus war, musste ich drei Schaufeln Dreck rausschaffen. Dinge, die ich schon in schwarzen Löchern vermutet hatte, waren in Spalten hinter den Bänken oder unter Abdeckplatten gerutscht. Bspw. fand ich einen Adapter für das Notebookladegerät wieder, welches ich stundenlang gesucht hatte.

Nun liegen/ stehen/ lehnen alle ausgebauten Teile in der Garage und warten auf Aufarbeitung und Wiederverwendung.

Ich kann heute als Fazit ziehen: modular und unabhängig voneinander bauen hilft, Schlitz- und Kreuzschlitzschrauben gehen gar nicht (das wusste ich aber damals schon), Dreckecken vermeiden, neues Bohrfutter anschaffen.

Advertisements