Bevor wir vorletztes Jahr unsere Reise in den Süden starteten, dachten wir nicht an die Veränderung die wir in unserem täglichen Leben bzw. Speiseplan erfahren würden und wie sehr wir vermissen würden was wir täglich häufig ungewürdigt verzehren und nun für lange Zeit entbehren müssen.

Die Essenz unseres täglichen Lebens – die Rettung in manch hungergepeitschtem Augenblick war von einem Moment auf den nächsten verschwunden. Mit Überfahren der Grenze war keine Spur mehr davon – es gab kein Brot mehr. Jedenfalls nichts, was wir (Kenner und Liebhaber von deutschem Brot) unter diesem Begriff vermuten und erwarten. Kaum vorzustellen, welchen tatsächlichen, uns bis dahin unbekannten Stellenwert es in unserem Leben hat. Wie selbstverständlich ist die Versorgung damit in unseren Regionen. Wobei ich diesen Satz streichen oder abändern muss, denn was für uns mittlerweile Alltäglich ist, ist wahrscheinlich nur in den besten Naturkostläden zu beziehen – und das bedeutet, dass es nicht immer und überall angeboten wird. Und wenn man denn das Glück hat, einen solchen Anbieter im Umkreis gefunden zu haben, dann ist der Erwerb vor allem bei großen Mengen keine unerhebliche Kostenstelle im Haushaltsplan. Für ein gutes vollwertiges Produkt kann man leicht 4 bis 5 Euro loswerden. Und wenn es schmeckt kann man gleich am nächsten Tag Nachschub besorgen. Wie gesagt in Städten ist das wohl kein Problem. In unser Berlin Zeit bin ich nicht auf die Idee gekommen selbst zu backen, jedenfalls kein Brot. Dafür gab es Second Bäck wo man es am nächsten tag zum halben Preis und weniger bekam. Und damit lebten wir glücklich. Richtig vermisst haben wir es zum ersten Mal während unseres halbjährigen Finnlandaufenthaltes 2008, damals liessen wir uns das gebackene Gold sogar gegen hohe Frachtkost schicken (nicht sehr ökologisch ich weiß, aber es war eine Ausnahme und ich schwanger – und schwanger entschuldigt so ziemlich jede Sünde 🙂 ).

Und jetzt kam es zu uns – rein zufällig, beim Besuch unserer Lieblingsgemeinschaft gibt mir ganz nebenbei eine Freundin (und Mitbegründerin der weltbesten Bäckerei) ein Glas in die Hand, nachdem sie uns am morgen mit einem Frischgebackenem überraschte und meinte, das ist unterwegs unsere Rettung und wir könnten damit viele Menschen glücklich machen. Sie setzte in uns die Idee Backseminare zu veranstalten – ganz urig am Lagerfeuer mit unserem Dutch Oven.

Aber hier und heute erstmal die bequeme Zu-Hause-Lösung mit Backofen.

Als Info, es ist vegan und wir bereiten die glutenfreie Lösung vor…nur roh ist es nicht ;(

Das Rezept ist beliebig erweiterbar, also die Mengen können halbiert verdoppelt oder in jedem Prozentsatz abgeändert werden. Es reicht dabei den Ansatz in der Ausgangsmenge zu verwenden (bisher gestetet bis zur 6 fachen Menge).

DAS REZEPT:

1kg Mehl (wir verwenden frisch mit Hand und Liebe gemahlenes Bio-Dinkelmehl als Basis, wenn es schnell gehen muss auch das Gute aus der Tüte, Unterschied spürbar!)

und dann nach Belieben die Highlights, die das Brot besonders machen – einzigartig – jedesmal anders und hier ist dein  Experiment…(wobei du es natürlich auch jedesmal auf die gleiche Weise backen kannst, wenn du Dein Lieblingsbrot entdeckt hast)

wir haben schon ausprobiert:

Sonnenblumenkerne, Leinsaat gold und braun, Sesam, Kürbiskerne, Brenneselsamen, Buchweizen, Hafer…geflockt, geschrotet, gemahlen…sogar Sauerkraut wird lecker (wenn man Sauerkraut mag)… die Vielfalt ist quasi grenzenlos…

1l Wasser (wir haben kaltes aber auch warmes verwendet und keinen Unterschied festgestellt – ich bevorzuge warmes weil es beim kneten angenehmer isr :))

max. 3 TL Salz (wir: Himalaya Ursalz)

3EL Süßes – wir nehmen Agavendicksaft, Kokosblütenzucker, Xylith (man könnte auch gewöhnlichen Zucker nehmen, was wir allerdings nicht tun)

und 3 EL von der Basis (diese könnt ihr zum Starten von mir bekommen – und danach immer selbst herstellen und vervielfältigen und weitergeben wie ihr mögt – hier kommt die Verbindung zu Hermann 🙂

Ihr gebt alle Zutaten in eine Schüssel – die sollte ausreichend groß sein, da der Teig aufgeht – und knetet. Das ist ein ganz wunderbares gemeinschaftliches Projekt mit und für die Kinder, die gern Outdoor diese Konsistenz herstellen, denn es ist glitschrig und rutscht vorzüglich zwischen den Fingern durch während es Fäden zieht und kann in diesem Fall auch gut gekostet werden (kann es outdoor natürlich auch).

brotbacken

Wenn dann alles gut miteinander vermischt ist und keiner mehr Lust hat weiter zu kneten beginnt die Ruhezeit von 2 Stunden abgedeckt an einem gemütlich warmen Ort – falls es diesen gibt – unser Teig bekommt nie absolute Ruhe 😉

Nach dieser Pause nehmt ihr euch fürs nächste Experiment (mindestens) eine Probe ab (3 EL) und  packt die in ein schön sauberes verschliessbares Glas und stellt dieses bis zur nächsten Verwendung kalt (bei uns am offenen Fenster oder im Kühlschrank)

Den Teig verteilt ihr nun in rundum eingeölte Backformen – wir machen meist die 3 fache Menge aller Zutaten und es entstehen 3- 4 Kastenbrote und eine runde Springform.

Der Teig sollte die Form nur zu einer guten Hälfte ausfüllen da er in der anschliessenden neun stündigen Ruhezeit sein Volumen vergrößert (je grober der Teig war, desto weniger ist er allerdings bei uns aufgegangen)

Bevor ihr die Brote dann (nach den 9 Stunden) in den auf ca. 175° C vorgeheizten Backofen gebt, ölt sie oberflächlich ein (wir verwenden Raps- Sonnenblumen- oder Kokosöl, ertränkt es aber nicht in Öl die Oberfläche ein bischen damit zu bepinseln reicht für eine schöne Kruste…falls ihr das – wie ich – an dieser Stelle vergesst könnt ihr das noch während des Backprozesses nachholen – Achtung wenn das Brot schon im Ofen war ist es heiß – das haben bei uns alle gelernt!)

Nach 1,25 bis 1,5 Stunden  (= 75 bis 90 Minuten) ist das Brot fertig gebacken- hier verlasse ich mich auf mein Gefühl…sollte das Brot heiß noch ein bischen weich innen sein, kann es beim Abkühlen gut noch fest werden – wenn nicht einfach länger backen…(testet es heiß in dem ihr es mittig einschneidet und wenn es sehr sehr feucht ist einfach nochmal weiterbackt).

Bei den Zeitangaben der beiden Ruhezeit braucht ihr nicht minutengenau vorgehen, allerdings haben wir die zweite Ruhezeit mal um eine Nacht verlängert, dabei ist der Teig wieder auf Ursprungsgröße zurück gegangen und das blieb auch beim Backen und ergibt letztlich ein nicht so fülliges fluffiges Brot. Essbar war es natürlich dennoch.

So nun ist meine Schreibzeit abgelaufen, wenn ihr Fragen habt, dann schreibt…

 

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